Archiv für den Monat: Januar 2018

ErzählBar am 19.1. um 20 Uhr

– Deine Geschichte ist wertvoll –
Die Tradition, anderen Menschen und ihren Geschichten zu lauschen, ist eine sehr ursprüngliche Art, Erfahrungen und daraus entstandenes Wissen zu teilen und an die nächste Generation weiter zu geben. In unserer heutigen Kultur kommt diese Form von Bildung leider viel zu kurz. Durch die ErzählBar möchten wir dieses wieder aufkeimen lassen.

Diesmal erzählt Stefan Rost:
Das Grether – Gelände
„Es kam nicht, wie es kommen musste.“
Aus der Frühzeit eines kaum wahrscheinlichen Hausprojektes
Teil II 1983-1989 „Kampfmauern“

1983 – Endzeitstimmung im Sanierungsgebiet „Im Grün“ am Rande der Freiburger Innenstadt. Die zahlreichen Betriebe werden “umgesetzt“, um Platz zu machen für eine komplette Neubebauung mit Wohnungen entlang der Faulerstraße. Eine sensationelle Koalition des Gemeinderates hatte Herbst 1982 die Abrisspläne der Stadtverwaltung gestoppt und Kaufverhandlungen mit dem Grether-Verein beschlossen, der die Gebäude mit Wohnungen, Werkstätten, Kita und Kulturzentrum ausbauen will.
„Steine klopfen“ ist angesagt. In einem Gebäudewinkel klopfen meist langhaarige junge Menschen die Mörtelreste von alten Mauersteinen aus Abbruchhäusern. Die Grether-Baugruppe sammelt Material für den Ausbau der Maschinenhalle (heute „Grether West“). Die großen Ereignisse der Häuserkämpfe um Dreisameck (1981) und Schwarzwaldhof (1982) sind schon Geschichte, doch es bleibt unruhig mit weiteren Aktionen und Besetzungen. Großrazzien im Radiofrühling 1985 zur Suche des illegalen Senders von Radio Dreyeckland und Polizeibesuche im Strandcafé unterbrechen Bauarbeiten und als Folge auch die Kaufverhandlungen. Die „Aktion Mietersolidarität“ formiert sich als Solidarzusammenschluss von bedrohten Häusern, Mietwohnungen und Hausprojekten. Der Regierungspräsident fordert 1986 von der Stadt die Räumung aller besetzten Häuser, die polizeiliche Einstellung der Bauarbeiten im Grether sowie die Schließung vom Strandcafé und Radio Dreyeckland – ergebnislos. Die Grethers unterschreiben den Kaufvertrag, die Bauarbeiten gehen weiter, erste Wohnungen und Gewerberäume werden
bezogen. Doch die neuen Nachbarn (IHK und Bauträger Unmüssig) legen Widerspruch ein. Obendrein giftige Blei- und Kadmiumstäube, die das gesamte Grether-Projekt in Frage stellen und politisch bedrohen, denn Gießereihalle mit Lagergebäude sollen wieder abgerissen werden.
Etwa zeitgleich zeichnet sich eine Baukostenüberschreitung in der Maschinenhalle ab, das Geld ist nicht da, das so genannte „Schwarze Loch“ fordert neue Strategien. Diese werden gefunden, und als Nebenprodukt entsteigt ausgerechnet diesem „Schwarzen Loch“ eine Idee, die Jahre und Jahrzehnte später unter dem Namen Mietshäuser Syndikat bekannt werden wird.
Stefan erzählt aus einer sehr bewegten Zeit über entscheidende Phasen und Wendepunkte in der Frühgeschichte des Grether Geländes.

Strandcafé Grethergelände, Adlerstr. 12 Freiburg
Freitag, 19. Januar 2018 um 20.00 Uhr
Ablauf: Stefan spricht ca. eine Stunde, danach gibt es Raum für Austausch und offene
Fragen (auch ca. 1 Stunde). – Wir freuen uns auf Euer Kommen